Programm des 5. Trashfilmfestivals in Kassel

Liebe Trashfilmfreunde,

das Programm für das 5. Phantastische Trashfilm Festival steht. Durch das Festival führen die zauberhafte Eva-Maria Balkenhol und der phantastische Stephan Haberzettl. Unter www.spontitotalfilm.com gibt es zusätzlich Fotos zu den Filmen.

Ich hab grad noch mit Ralf Kemper, dem Organistator, telefoniert und er meint, das Einlass erst ab 18 Jahren sein wird.

Freitag 09.10.2009:

Rettet den Gimpel (Thilo Neubauer/Leipzig, 85min)
Er ist bedroht, der Gimpel. Ein Filmteam macht sich auf, den sagenhaften Gimpel zu suchen und ihn zum Paaren zu animieren. Versagen sie, wird der Gimpel unweigerlich aussterben.

Flesh for the King (Markus Wimberger/Wien, 40min)
Ein verrückter Elvis-Imitator, ein zugedröhnter Rockstar, sein gestresster Manager und ein kettenrauchender Inspektor. Das sind die Zutaten für diese skurrile Horror-Groteske.

Morgens um 7 in Deutschland (Corinna Hartmann/Kassel, 3min)
Eine Stewardess und ein Bauarbeiter hinter den Kulissen.

Mobiad (Daniel Hellwig/Kassel, 40min)
Mike und Valentin gelangen auf merkwürdige Weise in die ihnen unbekannte Welt von Mobiad. Dort werden sie von König Emercho verfolgt, sich dessen unbewusst, dass sie für ihn eine tödliche Gefahr darstellen. Von nun an werden sie von Kopfgeldjägern gejagt. Mit Hilfe eines Wanderers und einer jungen Diebin stellen sie sich dem Kampf.

Sadisticum (Sebastian Radtke/München, 57min)
Sadisticum erzählt die Geschichte eines Mannes, für den es im Leben nur eine einzige Aufgabe zu geben scheint, dass quälen und töten seiner Mitmenschen. „Hostel“ und „Saw“ lassen grüßen. Nichts für schwache Nerven.

Dark Awakening (Ole Oberländer/Berlin, 12min)
In dem Kurzfilm „Dark Awakening“ von Ole Oberländer versuchen Satanisten ihren Meister zu beschwören, doch anstelle von Satan erscheint Jesus und das ganze nimmt eine schockierende Wendung.

Stimmabgabe und Bekanntgabe Publikumspreis

Trashwohnzimmer am Freitag (Beiträge laufen in Schleife):
Der Teddybär Komplott (Patrik Ahrend/Kassel, 8min)
Parodie auf viele Filme gedreht am Dörnberg.
Bru-Ce-Kae (Tressco, 14min)
Marianne’s magic gift is abused by her father to make money.
But tonight there is, just maybe, a glimpse of a chance to escape this tragic doom loop once and for all.
Skirl (Ray Juster/Hamburg, 21min)
Serial Killers in Real Love.

Samstag 10.10.2009:

BloodBound (Ully Fleischer/Köln, 102min)
Ein Dämon aus Engelsblut. Ein Geheimbund, der Jahrhunderte überdauerte. Zwei Freunde schlittern in einen Endlosen Krieg.

Kiemen (Anne Winterhager/Grevenbroich, 10min)
Ein Film über den Klimawandel. Zwei Mädchen haben Angst ins ehemals so geliebte Schwimmbad zu gehen. Geht doch in ihrer Schulklasse um, dass auf der Wasseroberfläche Eis wächst und man, – geht man mal Tauchen – ,vielleicht unter Wasser stirbt oder eben schnell Kiemen entwickeln muss um dort leben zu können.

Anywhere Anyone (Noah Hunter/Kassel, 40min)
Ein Auftragskiller, eine Psychotherapeutin, ein rebellisches Kind, ein leidender Verlobter, eine ältere Dame und ein Zeitraum von 18 Stunden, der alle miteinander verbindet.

Mouse Falle (Eckhard Kruse/Heidelberg, 1min)
Ein Mann, eine Maus, eine Falle.

H5N1 (Mark Auerbach/Rostock, 18min)
Ein Forscherteam muss ein, vom Vogelgrippevirus verseuchtes Haus untersuchen – mit gruseligen Folgen.

Nathanael (Felix Metzner, Christina Bachler/Wien, 5min)
Nathanaels Traumwelt, seine Furcht vor dem bösen Optiker Coppola und sein irreales Verlangen nach der mechanischen Puppe Olimpia.

The Labatory of Dr. Rotten (Claudia Rindler/CH Hirzel, 6min)
Tote Föten werden im Labor von Frau Dr. Rotten zum Leben erweckt und dafür ist jedes Mittel recht. Man schreckt vor Herztransplantationen und anderen chirurgischen Eingriffen nicht zurück.

End of Night (Felix Brand/Haverlah, 9min)
In einer abgelegenen Bar treffen sich merkwürdige Gestalten auf den sprichwörtlichen letzten Drink. Leider haben einige einen ungesunden Appetit auf Menschenfleisch mitgebracht.

Stimmabgabe und Bekanntgabe Publikumspreis

Trashwohnzimmer am Samstag (Beiträge laufen in Schleife):
Metal Man (Martin Piwek/Kiel, 8min)
Die Disco-Dancers legen sich mit den falschen Headbangern an. Das wird ihnen zum Verhängnis.
Vampiers in Vienna (Wolf Morrison/Wien, 29min)
Auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters verschlägt es Robert Van Helsing nach Wien, wo sich Vampire eingenistet haben, die dort nicht wirklich auffallen unter all den verrückten Wienern. Er trifft dort auf Graf Dracula und die beiden Schönheiten Isabelle und Pia. Gemeinsam kämpfen sie gegen die fiese Vampire Queen und ihren Punk Freund Morlock, die gemeinsam die Weltherrschaft anstreben und alle Menschen in Vampire verwandeln wollen.

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iLearn oder rettet der Laptop die Schulen?

Vor ein paar Tagen bekam ich einen Link zu einem sehr interessanten Film und Artikel über eine Mittelschule in der Bronx getwittert. Die CIS 339 wurde auf Initiative des neuen Schulleiters Jason Levy in das „iLearn“ Programm des New York City Deptartment of Education aufgenommen und bekam im September 2006 eine große Anzahl an Laptops für Schüler und Lehrer. Nach einen Trainingsprogramm wurden die Laptops direkt im Unterricht eingesetzt. Der Erfolg war erstaunlich, stand die Schule vorher noch kurz vor der Schließung, ist sie nun eine echte Vorzeigeschule. Die Leistungen der Schüler haben sich erheblich verbessert und der Schulalltag und das Lernen haben sich gewaltig verändert.

Film und Artikel

Obwohl ich als Medienpädagoge natürlich begeistert von dieser Art des Lernens bin, habe ich, wie viele andere, auch eine leicht ambivalente Position zu diesem Thema und ich bin nicht von allen neuen Technologien und Anwendung restlos überzeugt. Natürlich ist der Laptop nicht das Allheilmittel, um lernmüde und gelangweilte Schüler wieder ins Boot zu holen, aber es ist und bleibt ein hervorragender Ansatz. Ich glaube es geht nicht um die Frage, ob man technische Entwicklungen einsetzen muss, um den Unterricht interessanter zu gestalten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass im Vergleich zum Frontalunterricht und dem Lernen wie vor 30 Jahren, jede Art von anderem Unterricht mich mehr motiviert und stärker mein Interesse geweckt hat.

Spielzeug oder Werkzeug?

Das ist genau die Frage, die Lehrer gerne sofort stellen. Nein, der Laptop und das Internet sind kein Spielzeug. Und selbst wenn wir es als Spielzeug begreifen würden,Jason Levy wäre das nicht wirklich dramatisch. Im Spiel lernen Kinder und auch Jugendliche schnell und nachhaltig. Eltern und Lehrer sollten die mediale Welt von heute aber eher als Werkzeug sehen. 

Gehen andere Fähigkeiten verloren?

Klar will niemand Kinder, die ihr Leben ausschließlich über die Tastatur gestalten. Und niemand will Jugendliche, die nicht mehr in der Lage sind, mit einem Stift einen Text zu Papier zu bringen. Ok, und dass sie ab und an mal ein echtes Buch lesen, würden wir uns schon wünschen. Natürlich müssen die grundlegenden Dinge weiter eine wichtige Rolle im Schulalltag spielen. Lesen, Schreiben, Rechnen, soziales Miteinander, Diskussionen, Gruppenarbeit und vieles mehr sind wichtig und dürfen auch im digitalen Zeitalter nicht aus den Augen verloren werden. Dieses „Basiswissen“ geht mit dem Einsatz neuer Technologien nicht verloren (auch wenn uns das einige Lehrer hartnäckig einreden wollen). Es wird nur auf eine andere Ebene verschoben – eben mit neuen Werkzeugen bearbeitet.

Noch ein Wort zu den Eltern und deren Sorgen. Kinder und Jugendliche verbringen genau so viel Zeit vor dem PC, wie sie auf der anderen Seite keine Alternativen geboten bekommen. Klingt komisch, ist aber so. Und ich kenne viele Grundschulkinder, die noch nie eine Bibliothek von innen gesehen haben oder einen Fußball nur aus dem Fernsehen kennen.

Multitaskingfähigkeit – Fluch oder Segen?

Kinder und Jugendliche erfassen heute technische Dinge unglaublich schnell und ihre Fähigkeit, verschiedene Dinge gleichzeitig zu tun ist beeindruckend (nehmen Sie nur einmal eine ganz normale Chat-Kommunikation). Auf der anderen Seite haben sie oft erhebliche Defizite, was die Konzentration oder das längere Arbeiten an einem Thema betrifft. Ebenso erlebe ich es oft, dass Schüler mit den im Internet angebotenen Ergebnissen nur schwer etwas anfangen können, wenn es sich um lange Texte handelt oder es Seiten sind, auf denen man zunächst etwas suchen muss, um das gewünschte zu finden. Ob all dies in einen Zusammenhang steht, vermag ich nicht zu beurteilen, ich glaube aber eher, das dies ein allgemeines Problem ist, über dessen Ursachen ich jetzt auch nichts tiefgründiges sagen könnte. Ich glaube hier gilt es einfach, eine gute Balance zu finden.

Laptops einfach nur hinstellen?

Nein, um Laptops zielgerichtet im Unterricht einzusetzen bedarf es zunächst Überlegungen, wie und in welchem Fach der Einsatz erfolgen soll. Sie müssen fest im Unterrichtsplan verankert werden und selbstverständlich im Kontext mit anderen Lehr- und Lernformen stehen. Das Schöne ist, dazu muss man sich noch nicht einmal etwas Neues einfallen lassen – Konzepte und Beispiele findet man im Internet genug.

Mein Fazit

Wenn ich vor der Wahl stehen würde, ob mein jüngster Sohn (10) auf eine Schule mit Laptops oder eine old-school-school gehen sollte, wüsste ich wie ich mich entscheiden würde.

Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz

morgenroethe KopieBei meinem vorletzten Besuch in Stollberg bei der Familie meiner Freundin, las ich in der dortigen Lokalzeitung einen Artikel über die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz. Nun ist mir natürlich Sigmund Jähn ein Begriff und dunkel konnte ich mich sogar daran erinnern, das er dort geboren ist. Da mich die Raumfahrt schon immer interessiert hat (siehe 1. Fernseherlebnis) war klar, das ich unbedingt in die Ausstellung wollte. Von Stollberg aus ist es auch nur eine gute Stunde mit dem Auto durch das Vogtland zu fahren.

Die Strecke kann man schon als malerisch bezeichnen, zumal wir auf der Fahrt herrlichstes Wetter hatten. Was mir aufgefallen ist, ist das es unzählige alte leerstehende Fabrikgebäude, teilweise mitten im Wald, gibt. Es ist eben mittlerweile eine Gegend, in der wenig Arbeitsplätze vorhanden sind und aus der die Jugend eher wegzieht.

In Morgenröthe-Rautenkranz angekommen, sind wir dann direkt zu der großen Halle mit der Raumfahrtausstellung gefahren. Schwer zu finden war es nicht, da das Dorf eher klein und überschaubar ist. Die Ausstellung selbst hat mich dann wirklich beeindruckt. Im Bereich der bemannten Raumfahrt gibt es neben Originalraumanzügen viele interessante Exponate. Viele Kosmonauten und Astronauten haben dazu die Ausstellung mit Geschenken und Leihgaben unterstützt. Ein weiteres Highlight ist sicher das MIR-Trainingsmodul, in dem viele Astronauten auf ihren Aufenthalt im Weltraum vorbereitet worden sind. Insgesamt kann ich diese wirklich schön gemachte Ausstellung empfehlen.

Mit freundlicher Genehmigung von www.klangundkleid.de
Mit freundlicher Genehmigung von http://www.klangundkleid.de

Anschließend waren wir dann noch bei Verwandten, die in Morgenröthe-Rautenkranz leben, auf eine Tasse Kaffee. Hier habe ich dann auch erfahren, das meine Freundin Sigmund Jähn fast persönlich getroffen hätte. Sie war unter den Gewinnern eines Malwettbewerbs zum Thema Weltraum und wurde nach Berlin eingeladen um ihn zu treffen. Leider, leider lag das aber genau in der Zeit, wo der lang beantragte Sommerurlaub an der Ostsee stattfand…

> Sigmund Jähn auf wikipedia

5. Phantastischer Trashfilm Festival 2009

Bereits zum 5. Mal findet in Kassel das „Phantastischer Trashfilm“ Festival statt. Am 9. und 10. Oktober werden in der Kulturfabrik Salzmann Video-Produktionen der Gattung Trash, Horror und Fantasy gezeigt.

trashfilm09

Wer am Festival teilnehmen möchte, hat noch bis zum 30. August Zeit seinen Film einzureichen (Format DVD oder MiniDV):

spontitotalfilm
c/o Ralf Kemper
Langenhofsweg 5
34134 kassel

Mehr Infos zu den vorangegangenen Festivals gibt es bei spontitotalfilm.

Passend zum Festival ist Ralf Kempers Film „Toxic Lullaby“ in diesen Tagen abgedreht. Als kleinen Vorgeschmack gibt es hier den Trailer:

Trailer Toxic Lullaby

JK Wedding Entrance Dance

Eigentlich wollte Kevin Heinz das Video nur für Freunde und Familie ins Netz stellen. Ein Video das während seiner Hochzeit mit Jill Peterson entstanden ist. Bis heute haben es über 17 Milionen Menschen (update vom 15.9.2009/0:36Uhr – 24.516.464 Aufrufe) auf youtube gesehen. Ein echtes Phänomen und sie selbst hätten nie mit einem solchen Interesse gerechnet. Auf ihrer Website schreiben sie: „Our experience since we posted the video has been incredible. We would never have expected this response to our wedding entrance in a million years.“

Als ich das Video gestern zum ersten Mal sah, habe ich wohl die vollen 5:10min. „durchgelächelt“. Das ist es, was das Video einfach so wundervoll macht, es zeigt Lebensfreude, Liebe und Freundschaft – eben das was man gern bei einer Hochzeit und auch sonst gern sehen möchte.

Das Lied „Forever“ von Chris Brown als echter Sommerhit tut sein übriges. Chris Brown, der ja mehr dadurch bekannt geworden ist, das er seine Freundin Rihanna verprügelte, verkauft seine Single jetzt übrigens deutlich besser als vor dem Hochzeits-Video. Er profitiert auch davon, das direkt vom Video auf iTunes verlinkt wurde (Platz 4 der iTunes Single Charts, Stand 31. Juli 2009) und der Song tausendfach gekauft worden ist.

Chris Brown verdient also gut am Video von Jill und Kevin mit und aus diesem Grund schreiben die beiden weiter auf ihrer Website: „Due to the circumstances surrounding the song in our wedding video, we have chosen the Sheila Wellstone Institute. Sheila Wellstone was an advocate, organizer, and national champion in the effort to end domestic violence in our communities.“

Mittlerweile findet sich auch das „Scheidungsvideo“ auf youtube. Es hat nahezu dieselbe Choreografie, wurde aber von der New Yorker Video Produktionsfirma „Indigoprod“ mit professionellen Tänzern als Viral für die Firma „Ricoh“ produziert. Über die Entstehung des Videos gibt es einen sehr interessanten Artikel im Sydney Morning Herald

E-Mail-Interview mit Prof. Michael Rotert

Genau 25 Jahre nach der ersten Mail, die Prof. Michael Rotert damals empfangen hat, hatte ich die Chance ihn kurz zum Thema E-Mail, Schule und Internet per Mail zu befragen.

Jörg Ruckel: Unbestritten haben E-Mails die Kommunikation und das Arbeitsleben nachhaltig verändert. In meiner täglichen Praxis werde ich oft mit Lehrern konfrontiert, die auch der E-Mail sehr unaufgeschlossen entgegentreten. „Die Sprache verkümmert“, „die face-to-face-Kommunikation geht verloren“ und  „E-Mails sind im schulischen Lernen unnötig“ sind häufige Aussagen. Für Sie, der beruflich und in Forschung und Lehre täglich mit dem Kommunikationsmedium zu tun hat (und die Entwicklung von Anbeginn erlebt hat), was würden Sie diesen Lehrern entgegenbringen?

Prof. Michael Rotert: Das erinnert mich an die gleiche Argumentation wie früher, als das Fernsehen neu war: Das verdummt, macht die Augen schlecht, etc. etc. Wenn man mit einer Technologie nicht zurechtkommt, mag man sie nicht und sucht nach allen nur denkbaren Argumenten, um diese Aversion zu stützen. Tatsache ist aber, dass wir und auch die Sprache einer ständigen Entwicklung unterliegt und sich in frühen Zeiten schon aufgeregt haben, wegen der vielen französischen Vokabeln in der deutschen Sprache (Friseur, Trottoir etc. etc.). Heute sind es die englischen Anteile (denglisch) oder die Sprache bei Mail. Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, man darf dies aber nicht verteufeln (hat in meiner Jugend schon nichts gebracht), sondern muss dies als Chance betrachten. Gerade von Senioren höre ich, dass sie mit ihren Kindern und Enkeln wieder richtigen Kontakt haben, nachdem sie täglich kurz mailen oder Fotos schicken. Wohlgemerkt, Leute die mit 70 noch neu einsteigen in die Materie. Lehrern, die wie o.a. argumentieren, kann man eigentlich nur die Befähigung für ihren Beruf absprechen, denn gerade sie sollten die Kinder lehren, mit dem Medium korrekt umzugehen. Wer aber das Medium nicht verstanden hat……

Ich fürchte aber prinzipiell, dass solange die PHs und Unis die Lehrer nicht auch in Medienkompetenz ausbilden, diese keine Anhaltspunkte haben, wie man das vermitteln kann. Man muss dann eigentlich auf die nächste Generation von Hochschullehrern rechnen.


Jörg Ruckel: Nicht nur auf politischer Ebene sondern auch unter Lehrern und Eltern wird vorrangig darüber diskutiert, dass das Internet vielfältige Risiken für Kinder und Jugendliche bietet. Ich gehöre zu den Pädagogen, die zunächst Wissen um Chancen und Möglichkeiten vermitteln. Auch aus Ihrer Erfahrung heraus, wo liegen die Chancen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Lernen an Schulen und Hochschulen?

Prof. Michael Rotert: Jede Autostraße bietet Risiken, die Kinder müssen lernen, damit umzugehen, denn fernhalten kann man sicher nicht alles Üble.Das ungeheure Wissen, welches jedem Internetteilnehmer zur Verfügung steht, erlaubt eigentlich der Schule schon sehr frühzeitig die Kinder recherchieren zu lassen und dies vorzutragen. Damit kann die ART VON LERNEN, DIE IM STUDIUM NOTWENDIG IST EIGENTLICH SCHON SEHR FRÜH EINGEFÜHRT WERDEN, bzw. zum selbstständigen Lernen erzogen werden. Die Allgemeinbildung wird es danken! Weiterhin gibt es heute schon Programme mit Erfolgskontrolle für viele schulische Bereiche (sogar Sport), so dass im günstigsten Fall das Internet die Nachhilfe ersetzen kann – auf jeden Fall können Dinge im Krankheitsfall nachgelernt werden. Wenn man den Umfang der im Internet verfügbaren Information betrachtet, dann überwiegen ganz klar die positiven Inhalte. Plakativ gesprochen, wegen 3 toten Autofahrern wird keine Straße geschlossen. Kinder vor allem Übel behüten, gaukelt diesen eine heile Welt vor, die es so einfach nicht gibt – natürlich auch nicht im Internet. Was passiert denn einem Erwachsenen, wenn er die ganzen Kinderkrankheiten erst im Alter bekommt, nur weil die Eltern es vor diesen Krankheiten um jeden Preis geschützt haben?

Professor Michael Rotert ist unter anderem Gründungsmitglied der Internet Society und von DENIC, Vorstandsvorsitzender des eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., Präsident von EuroISPA sowie als Gutachter für die Europäische Kommission, UN und US Dept. of Commerce tätig.


Geschichte der Email

Am 3. August 1984 wurde in Deutschland die erste Email empfangen. Michael Rotert von der Universität Karlsruhe (TH) empfing unter seiner Adresse „rotert@germany“ eine Grußbotschaft der US-amerikanischen Plattform CSNET: „Willkomen bei CSNET.“erstemail

Bereits 1971 hatte der Ingenieur Raymond Samuel Tomlinson die Idee, das sich Menschen über ihren Computer Nachrichten schicken könnten. Eine gute Idee, aber Computer wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Computer waren damals groß wie Kleiderschränke und die Bedienung war nicht unbedingt einfach.

Raymond Tomlinson arbeitete damals bei Bolt Beranek and Newman (BBN). Die Firma soll für das Verteidigungsministerium das Computernetz Arpanet aufbauen – Das Netz, aus dem dann das Internet werden sollte. Er braucht einige Stunden bis das Programm fertig geschrieben ist, mit dem man Emails schreiben, lesen und verschicken kann. Und er steht vor einem Problem: Wie soll er den Benutzer und den Rechner auseinanderhalten? Er braucht ein Zeichen, das in keinem Namen vorkommt. Tomlinson entscheidet sich für das @-Symbol und gibt sich die erste Email-Adresse tomlinson@bbntenexa. Kein .com, kein .org – weil das wird erst später erfunden.

Dann verschickt er die erste Email in der Geschichte. Von einem Computer zu einem anderen – beide standen in einem Zimmer, verbunden über das Arpanet. Was in der Mail stand weiß er nicht mehr – es waren zunächst verschiedene Testmails. In einer Mail an verschiedene andere Nutzer des Arpanets erklärte er dann die Verwendung des @-Zeichens. Das aus dieser Idee und dem ersten Einsatz heute die wichtigste Kommunikationsanwendung werden sollte, hat er sich nicht träumen lassen. Heute werden täglich Milliarden Emails verschickt und die Email hat das Arbeitsleben und die Kommunikation nachhaltig verändert.

In diesem Jahr wurde Raymond Tomlinson als „Vater“ der Emails mit dem Prinz-von-Asturien-Preis ausgezeichnet. Mit der Erfindung hat er die Welt der Kommunikation revolutioniert, erklärte die Jury.